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Technischer Infoletter SRG SSR - Ausgabe Juni 2017




Hier finden Sie Informationen der SRG an Importeure, Radio- und TV-Händler, Weiterverbreiter und technische Dienstleister.

Alle Informationen zur Verbreitung und zum Empfang der Programme der SRG finden Sie unter www.broadcast.ch.

 
SRG-Branchenforum: Radio- und TV-Verbreitung im Rampenlicht

An ihrem Branchenforum nimmt die SRG regelmässig den Technologiewandel unter die Lupe, beleuchtet Trends und stellt Innovationen aus der Medienwelt vor.

Am Montag rückte sie in Zürich die digitale Radiomigration, DAB+ und HbbTV ins Zentrum.



Am SRG-Branchenforum Digitale Radiomigration (von links
nach rechts): Salar Bahrampoori, SRF, Roberto Moro, SRG-Fachspezialist Media Access

Kürzlich ging in der Schweiz der dreimillionste DAB+ Empfänger über den Ladentisch. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg von UKW zu DAB+ ist erreicht. Das gibt Anlass zur Freude, zumal die gesamte Radiobranche seit Jahren über den digitalen Radiostandard aufklärt.

Umstieg auf DAB+ rückt näher

Dass die Drei-Millionen-Marke geknackt wurde, darüber informierten Nora Müller und Chris Morgan von der Agentur Republica, die im Auftrag des Bundes aktuell die DAB+ Kommunikationskampagne «Radio zieht um auf DAB+» führt. Die momentane Revision der Radio- und Fernsehverordnung (RTVV) schafft die Rechtsgrundlagen, die einen baldigen Umstieg von Analog- auf Digitalradio möglich machen. DAB+ wird gemäss dem RTVV-Entwurf ab 2020 zur bevorzugten Verbreitungsart für Radio.

Appell an Radioverkäufer

Doch ein Wermutstropfen trübt den Erfolg: Rund ein Drittel der neu verkauften Radiogeräte sind noch immer einzig mit einem UKW-Empfänger ausgerüstet, können also keine DAB+ oder Internet-Radioprogramme empfangen. Spätestens Ende 2024 werden sie deshalb nutzlos sein. Denn die Radiobranche, die seit 2013 zusammen mit dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) die Arbeitsgruppe «Digitale Migration» (DigiMig) bildet, bekräftigte am Branchenforum ihren bisherigen Fahrplan. Spätestens Ende 2024 soll der letzte UKW-Sender stillgelegt werden. So stellte Marco Derighetti, Direktor Operationen bei der SRG, zu Recht die Frage in den Raum: «Ist es fair, heute noch UKW-only-Geräte zu verkaufen?» Alle gängigen DAB+ Radios bieten nämlich auch UKW-Empfang.

Heimische Radionutzung bewahren

DigiMig-Präsident Philippe Zahno bezeichnete die UKW-Verbreitung in der heutigen Zeit als «letzte Dampfmaschine» und rief den Anwesenden die vielen Vorteile von DAB+ in Erinnerung: vom intensiveren Hörgenuss über die einfache Bedienung bis hin zu Kosten- und Energieeinsparungen. Gleichzeitig forderte er dazu auf, allen Schweizer Radios Sorge zu tragen. Denn der Konsum von ausländischen Programmen ist beim Medium Radio noch immer nur halb so gross wie derjenige beim Medium Fernsehen. Und das soll – im Sinne aller Schweizer Radioveranstalter – dank DAB+ auch so bleiben.

SRG trifft Umzugsvorbereitungen

Die rund hundert Vertreter von Kabelnetzbetreibern, Geräteherstellern, Telekom- und Onlineunternehmen erfuhren am Forum weitere positive DAB+ News: Die SRG wird ab Ende 2019 für den Umzug von UKW auf DAB+ bereit sein. Um eine möglichst hohe Empfangsqualität bieten zu können, startete sie eine Grossoffensive beim DAB+ Netzausbau, wie Roberto Moro, SRG-Fachspezialist Media Access, ausführte. Rund achtzig Prozent der bestehenden Sendeanlagen werden verbessert, 88 neue erstellt. Dereinst werden über die DAB+ Netze der SRG 99,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung erreicht.

Private ziehen mit

Auch René Burger, CTO bei SwissMediaCast (SMC), dem grössten privaten DAB+ Netzbetreiber der Schweiz, wusste Erfreuliches zu berichten: alle fünf SMC-Netze werden weiter ausgebaut. Allein bis Ende Jahr kommen fünfzig neue Sendeanlagen hinzu. Und ein sechstes Netz ist bereits beim Bakom beantragt. Denn die SMC-Netze sind bis auf den letzten Sendeplatz ausgebucht; die Nachfrage von Radioveranstaltern nach DAB+ Verbreitung ihrer Programme scheint ungebrochen.

Strassentunnel auf Kurs

Schliesslich schreitet auch die Ausrüstung von 250 Strassentunnel mit DAB+ voran, wenn auch zaghaft. Das liegt jedoch nicht am Bundesamt für Strassen (ASTRA), das dafür zuständig ist. Der Gründe gibt es viele. Marcel Berner vom ASTRA klärte darüber auf: Dass in den meisten der dafür vorgesehenen Tunnel erst Ende 2018 DAB+ Programme gehört werden können, liegt auch daran, dass sich das ASTRA als Bundesbetrieb an die Verordnung über öffentliche Beschaffungswesen (VöB) halten muss. Das bedeutet: WTO-Ausschreibungen. Und solche brauchen viel Zeit. Dazu kommen weitere Vorgaben und der Bauaufwand inklusive Tunnelsperrungen, die in der Bevölkerung nicht gerade beliebt sind.

DAB+ cable als Weltneuheit

Mit einer DAB+ Innovation wartete UPC-Vertreter Marco Siegrist am Branchenforum auf. UPC erweitert den DAB+ Standard um einen neuen Frequenzbereich (ab 250 MHz) und hat dadurch generell mehr Upload-Geschwindigkeit zur Verfügung. DAB+ Geräte verfügen bereits heute über einen Tuner, der über 250 MHz hinaus funktioniert. Allerdings müssen die Geräte für diese höheren Frequenzen freigeschaltet werden.

UPC ist weltweit das erste Unternehmen, das einen solchen Kabelstandard anbietet und auch anderen Netzbetreibern zur Verfügung stellt. Im November 2016 testete UPC das neue DAB+ cable in einem Pilotprojekt in der Region Luzern. Bei rund 1200 Kunden wurde das UKW-Radioangebot abgeschaltet und mit DAB+ cable mit rund siebzig Radioprogrammen ersetzt. Das Ergebnis: keine technischen Probleme und vor allem kein einziges negatives Kundenfeedback. Das lässt aufhorchen.

Relaunch von HbbTV

Die SRG hat ihr HbbTV-Angebot vollständig überarbeitet und ausgebaut. Tests mit Nutzerinnen und Nutzern mündeten in kleine und grössere Verbesserungen. Referent Martin Spycher, SRG-Fachspezialist für Multimedia, führte ein Beispiel an: Bis anhin wurde der Hinweis auf den «Red Button» immer eingeblendet, wenn ein SRG-Programm angewählt wurde. Jetzt erscheint der Einblender nur noch, wenn er auf einen neuen HbbTV-Inhalt aufmerksam macht.

HbbTV soll bei der SRG dereinst nicht einfach nur den Teletext ersetzen, sondern den neuen Gewohnheiten des Fernsehpublikums gerecht werden. Kurz: die vielfältigen Möglichkeiten nicht nur auf mobilen Geräten oder Second Screens offerieren, sondern auch auf Grossbildschirmen. Ein beliebtes Beispiel: Oft laufen interessante Sportanlässe zeitgleich. Solche können neu in zusätzlichen Livestreams über HbbTV parallel konsumiert werden.

Serviceleistung erhöht

Einen besseren Service bietet das neue SRG-HbbTV-Angebot sinnesbehinderten TV-Zuschauerinnen und -Zuschauern, das gezielt auch dafür weiterentwickelt wurde. So ist es etwa neu möglich, Untertitel eigenhändig zu konfigurieren, deren Schriftgrösse zu verändern oder sie freizustellen, damit sich deren Lesbarkeit erhöht. Und Untertitel sind jetzt auch für On-Demand-Videos verfügbar. Weiter können neu Videos mit Gebärdensprache abgerufen werden.

«Die SRG ist Treiber von modernen Technologien und Services»

Marco Derighetti, Direktor Operationen SRG, ist Initiant des SRG-Branchenforums. Im Interview zeigt er auf, weshalb sich die SRG regelmässig mit der Technologiebranche austauscht und vernetzt.

Interview mit Marco Derighetti, Direktor Operationen SRG


 

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